Slogan: Einfach, flexibel, sinnvoll

2012

5 Jahre CharityCycling, was mache ich nur?

Das erste Jubiläum wo es doch gar keines geben dürfte! Rund um Altdorf 2007 sollte eine einmalige Aktion werden. Durch den großen Erfolg im September vor ziemlich genau 5 Jahren wurde aber mehr. Und nun das Luxus Problem. Damals war das Ziel durch eine Idee und der großen Leidenschaft dem Radsport mindestens 1500 Euro für krebskranke Kinder einzufahren. Jetzt nach 5 Jahren und dem mehrmaligen überschreiten der körperlichen Leistungsgrenzen blickt Matthias Reitenspieß sehr stolz auf das geleistete zurück und überlegte im Januar was er besonderes machen könnte um dem Jubiläum einen schönen Rahmen zu bieten und die Spendensummen die mittlerweile schon weit über 25 000 Euro betragen noch zu erweitern.

Die Zeit um eigene Veranstaltungen zu organisieren ist aus beruflichen und familiären Gründen nicht mehr gegeben. Der Postbote aus Altdorf, mittlerweile Vater von zwei Kindern kann keine „Extrem“ Touren mehr fahren. Aber! Den Challenge Roth wo ja alles begann könnte man sich schon noch mal als Ziel setzen. 12 Stunden Anstrengung sollten an einem Sonntag im Juli schon machbar sein. Wir hatten Januar und da bietet sich das Schwimmtraining im Hallenbad ganz gut an. Schnell merkte er, daß eine gewisse Leistungsfähigkeit da ist und die 3,8 Km Schwimmen realistisch sind. Rad fahren ist nicht das Problem und den Marathon kann man notfalls auch Walken.

Dann aber Anfang Februar ein Anruf von einem guten Bekannten. Hans Günther Scharrer aus Henfenfeld, selbst ambitionierter Radsportler mit Unterschenkel Prothese hat sofort an Matthias gedacht als er in Para Sport Kreisen von dem Gesuch Jeffrey Norris hörte das dieser einen Tandem Piloten für den Challenge Roth suchte. Jeffrey ist Blind und Matthias war von dieser Aktion sofort begeistert.

Aber!

Matthias war noch nie Tandem gefahren und hatte auch noch nie mit einem Blinden zu tun. Der Gedanke einem Handikap  Sportler helfen zu können und dadurch auch noch gutes für die Elternitiative Krebskranker Kinder Nürnberg e.V. zu tun passte voll in das Konzept von CharityCycling und war darüber hinaus eine sehr große Herausforderung ohne wieder in Extrem Sport Muster verfallen zu müssen.

Nach dem ersten Treffen mit Jeffrey in dessen Heimatstadt Nürnberg war klar „das mache ich“ so Reitenspieß. Zuerst gingen die beiden Schwimmen um sich aneinander zu gewöhnen. Anfang März bei schönem Frühlingswetter kamen die ersten Radeinheiten dazu. Das erste Mal Tandem fahren ist wie das Eierlaufen beim Grundschul-Sommerfest. Du weißt genau dass du das kannst aber ein Gewackel ist das schon. Schnell war auch klar, dass die Vorgabe „da trainiert ihr zweimal und fahrt die 180 Km dann in 4:30 Stunden“ nicht realistisch war und sich Tandem fahren als wirklich anspruchsvoll erwiesen hat.

Das Touren Tandem von Jeffrey war auch nicht wirklich für die Challenge Strecke geeignet und man musste sich ja sein Leben nicht schwerer machen als nötig, schließlich ist Jeffrey ja Triathlet und musste nach dem Schwimmen die 180 Km Rad fahren und anschließend noch einen Marathon laufen.                      

Die Firma Schauff aus dem Rheinland, ein Fahrradhersteller für die besonderen Modelle mit langjähriger Erfahrung, baut super Tandems. Da fragen wir mal ob die Möglichkeit für eine Kooperation besteht. Und gesagt getan. Die Familie Schauff war von den Vorhaben von Jeffrey Norris in Verbindung mit Charity Aktionen sehr angetan und hat nach Ostern ein schickes Renntandem in den Rot-Weißen Teamfarben nach Altdorf geschickt.

Bis lang hatten Jeffrey und Matthias schon etliche Kilometer auf dem Tourentandem abgespult und die Wettkampfplanung weitgehend abgeschlossen. Da waren kleine regionale Zeitfahren im Hirschbachtal und Rednitzhembach genauso dabei wie der Rothsee Triathlon und der Triathlon in Erlangen beide über die Olympische Distanz. Das Highlite sollte aber der Challenge Roth mit der traditionellen Ironman Distanz sein. Dafür wurde jetzt viele Wochen fleißig trainiert.

Ein bis zwei Mal die Woche Tandem Training pro Woche hatten sich die Beiden schon fest vorgenommen. Bis Ende April lief dies auch problemlos, doch dann tat sich ein finanzielles Problem in Sachen Logistik auf. Altdorf – Nürnberg ist nicht weit aber wenn Matthias alleine mit dem Rad zu Jeffrey fährt sind das halt 60 Km die am gemeinsamen Training fehlen. Anders herum wenn Jeffrey mit dem Taxi und der Bahn nach Altdorf kommt ist dies ein  großer zeitlicher und auch finanzieller Aufwand für den blinden Ausdauersportler. Matthias hatte da eine sehr treue Quelle wo sich das Problem lösen lassen könnte. Florian Fischer von der Fischer GmbH in Ludersheim hat nach einem kurzen Gespräch angeboten einen Teil der Kosten zu übernehmen. Das Transportmittel zu den Wettkämpfen in Roth sagte Walter Fleischmann von Auto Fleischmann zu und Jeffrey war unter diesen Umständen bereit den zeitlichen Aufwand auf sich zu nehmen, da er mit Matthias sehr gut zu harmonieren schien und dies nicht nur auf dem Zweisitzer sondern auch menschlich. Die Beiden schwammen im Charity Bereich auf einer Wellenlänge.

Jeffrey war für die Aktion Buntstiftung im Nürnberger Nordosten sehr aktiv und Matthias hat sich regional über Altdorf für die Elterninitiative Krebskranker Kinder Nürnberg e.V. stark gemacht.

Das erste große Event stand vor der Tür! Die offizielle Streckenbesichtigung in Roth. Unsere Tandemathleten fuhren eine Radrunde auf der Challenge Strecke mit Nicole Leder. Die Gruppe mit Lothar Leder dem Roth Champion der vergangenen Jahre war erst mal eine Nummer zu schnell aber der 28er Schnitt mit der attraktiveren Gruppenleiterin war genau richtig. Bei Dauerregen ein hohes Tempo über 100 Km halten zu können, stimmte die Jungs sehr positiv für die kommenden Wochen.

Das Training passte gut und so ging es zum ersten Härtetest ins Hirschbachtal. Matthias kannte solche Veranstaltungen sehr gut aus seiner aktiven Rennsport Zeit, für Jeffrey war das Neuland. 20 Km Vollgas! In einer Zeit von knapp über 30 Minuten wurde das Ziel, der 40er Schnitt knapp verpasst aber fürs erste war das gut und man konnte darauf aufbauen.

Im Training wurden nun verstärkt Kraftausdauer, Intervalle am Berg und Tempointervalle im Flachland gefahren. Die Beiden spürten stetig Verbesserungen in diesen Bereichen vor allem Matthias, der ja von Jeffrey aus einem sportlichen Winterschlaf erweckt wurde und ihm dafür immer dankbarer wurde. „Das tat mir sehr gut“ so der Altdorfer, „ohne Jeffrey würde ich immer noch so vor mich hin Tümpeln und jetzt geht wieder was am Rad und das macht Spaß“

Die nächste Veranstaltung war schon das Zeitfahren in Rednitzhembach wo witziger Weise ein Einzel und ein Zweier Team Zeitfahren zu absolvieren war. Nach kurzer Rücksprache mit dem Veranstalter, der sich ein Lächeln nicht verkneifen konnte, war klar sie dürfen bei beiden Rennen starten. Schließlich ist man in dieser Konstellation ein Einzelstarter mit Pilot und auf der anderen Seite auch ein gut aufeinander abgestimmtes Zweier Team. Auf einer für Tandems schweren Strecke  mit zwei Wendepunkten war auch hier die Schallmauer, 40er Schnitt, nicht zu knacken. Es waren aber die zweiten 15 Km schneller als die ersten und dies deutete auf eine gute Ausdauerleistung hin.

Noch in derselben Woche  5 Tage später ging es zur Challenge Generalprobe an den Rothsee. 1,5 Km Schwimmen, 40 Km Rad fahren und 10 Km Laufen standen für Jeffrey auf dem Programm. Wenn man ein positives Fazit ziehen möchte, dann dies, dass eine verkorkste Generalprobe ein gutes Omen sein muss. Denn eine gebrochene Zehe von Jeffrey beim Schwimmen und eine Bänderdehnung im Knöchel von Matthias durch einen zu stürmischen Einlauf in die Wechselzone mit dem Rad und einem anschließenden Überschlag der Beiden waren nicht gerade das was man sich vorgenommen hatte.

Nun lagen die Nerven blank, 14 Tage vor dem großen Event war nicht sicher ob man wirklich starten konnte. Und da hing  bei weiten mehr dran als nur das viele Training. Die Trainingspartner von Jeffrey, seine Begleiter beim Schwimmen und Laufen, Michael Dotzauer und Günther Donath, Sponsoren, Spender Pressetermine, Online Foren und was das Wichtigste war die eigenen Emotionen die man in so ein Event hineinsteckt. Auch bei „Mensch Otto“ auf Bayern 3 wurde die Aktion angekündigt. Das war hart.

Der Knöchel von Matthias war schnell in den Griff zu bekommen um die 180 Km einigermaßen zu bewältigen. Und auch Jeffrey lies nach wenigen Tagen verlauten, dass Aufgeben nicht ist!!! „Bis zum Zweiten Wechsel geht das schon und dann werden halt mal die Zähne zusammen gebissen“ schließlich hat der sympathische Wahl Nürnberger  schon ganz andere Probleme zu bewältigen gehabt. Und wenn Ihn eins auszeichnet dann ist das die Mentale Stärke.

So wurden zwar die zeitlichen Ziele verschoben aber das Ziel an sich blieb das Selbe. Finish beim Challenge Roth. Für Jeffrey sollte es zum zweiten Mal nach 2007 sein. Für Matthias sollte es zum 8. Mal durch den wohl emotionalsten Zielbogen für einen Hobby Sportler gehen.

5 Tage Challenge Fieber, am Donnerstag die Startunterlagen abholen, am Freitag die legendäre Nudelparty, am Samstag Fahrrad Abgabe und am Sonntag der Wettkampf und am Montag die Siegerehrung in Roth.

Die Spendenaktion zum Jubiläum von CharityCycling nahm auch Gesicht an in diesen Tagen. Die Staffel um Franziska Mederer, Martin Dehling und Akin Dalgic für die Triathlon Langdistanz stand genauso in den Startlöchern wie 4 Vertreter der Schüler Radsportgruppe, die am Junior Challenge teilnehmen sollten.

Für die Ersttäter im Schüler Bereich war dies eine sehr schöne Erfahrung und Trainer Matthias Reitenspieß stellte bereits bei der Radabgabe fest, dass hier die gleiche Gänsehaut
Stimmung herrscht wie beim „großen“ Challenge. Das hat Potential für die Zukunft! Die Kinder hatten sichtlich Spaß und auch Erfolg mit guten Plätzen im Mittelfeld der vielen Nachwuchs Athleten.

Die CharityCycling Staffel hat sich auch klasse geschlagen beim Challenge Roth belegten sie in der Mixed Wertung einen hervorragenden 19. Platz. Die Einzelzeiten konnten sich sehen lassen: 56 Minuten für 3,8 Km Schwimmen von Franziska Mederer, 5:23 Stunden für 180 Km Rad von Martin Dehling und   3:22 Stunden für den Marathon Lauf von Akin Dalgic war ein sehr gutes Ergebnis.

Durch die Zusammenarbeit von Jeffrey und Matthias hat der CharityCycler, das Emblem von CharityCycling, die Flügel aus dem Motiv von RunningNorris bekommen. Die Ofen Fischer Zieleinlauf Shirts waren gedruckt. Velorado aus Nürnberg Mögeldorf hat Helme und Radschuhe für das Event zur Verfügung gestellt und das Schauff Tandem perfekt eingestellt.

Aber nun zu den beiden angeschlagenen aber hochmotivierten CharityCyclern selbst. Es war angerichtet. 4 Uhr morgens standen der ruhende Pohl Michael Dotzauer aus Erlangen, ein langjähriger Begleiter von Jeffrey und Marco Küchler der eigene Presse Begleiter mit dem blinden Triathleten Jeffrey Norris in Roth am Wechselbereich zu den letzten Vorbereitungen. Auch Matthias ließ nicht lange auf sich warten, Schlafen wurde an so einem Tag überbewertet. Da ist so viel Adrenalin im Spiel das man sowieso die halbe Nacht über dem Bett schwebt. Der Marathon Begleiter musste noch etwas länger auf seinen Einsatz in Roth warten, schließlich war er erst nachmittags dran.

Punkt 6:30 Uhr war Startschuss, vorher noch ein kleiner Plausch mit Belinda Granger, der Mutter des Challenge wie sie liebevoll genannt wird, hat sie doch schon jeden Challenge mitgemacht und auch schon einmal den Gesamtsieg geholt.

Das Schwimmen lief gut, Matthias hat sich bei der Vorbereitung auf seinen Part noch ein paar Tipps von der Paralympic Siegerin Verena Bentele geholt, die für die Bayern3 Staffel ja ebenfalls als blinde Tandemfahrerin startete.

Nach knapp 2 Stunden dann der Wechsel vom Schwimmen aufs Tandem. Matthias stand bereit und half beim Wechsel, begleitete Jeffrey zum Tandem und von nun an war powern angesagt. Es lief gut bis auf den vielen Gegenwind, dieser wehte den beiden um die Ohren „5:15 schafft ihr heute nicht!“ aber das war nicht so wichtig. Ein schöner Wettkampf sollte es sein, ein gemeinsames Erlebnis. Die mit nichts vergleichbare Stimmung und Emotionen aufsaugen für die Ewigkeit. Und das ist gelungen.

Vom eigenen Kameramann begleitet entstanden bleibende Eindrücke. Jeffrey möchte diese für seine Motivations Vorträge nützen. Ein Video von der Auffahrt am Solarer Berg wurde mittels einer Lenker Kamera von den Beiden selbst gedreht. Dies waren Begebenheiten, die am Ende wichtiger waren als die eine oder andere Minute die man auf der Strecke sparen konnte. Zum zweiten Wechsel hin machte die gebrochene Zehe bei Jeffrey aber immer mehr Sorgen und das Finish stand für kurze Zeit in Frage, denn beim Radfahren rechnete der Athlet mit seinem Piloten noch nicht mit Schmerzen. Aber aufgeben war nicht! Zähne zusammen Beißen. Matthias war zwar Platt, hatte aber das Tandem nach 5:40 Stunden sicher ins Ziel gelenkt und damit war nach knapp 8 Stunden Wettkampf ja noch der halbe Tag zur Verfügung. Nach einer kurzen ärztlichen Versorgung ging es zusammen mit Laufbegleiter Günther Donath auf die Strecke. Nicht ernsthaft schnell aber stetig voran. Wie anschließend in den Zeitungen stand. Wichtige Themen wie Massentierhaltung und Kochrezepte wurden auf dem knapp 7stündigen Marathon besprochen. Beim Zieleinlauf war dann das komplette Team vereint. Jeffreys Freundin Ingrid Seidl die im Ziel wartete, die drei Wettkampfbegleiter und Matthias Huber ein Trainingspartner einschließlich Jeffrey waren am hart erarbeiteten Ziel dem Stadion in Roth Richtung Finish Line unterwegs. Empfangen von Tagessieger James Cunnama und den Veranstaltern Kathrin und Felix Walchshöfer die immer wieder CharityCycling seit 2007 großartig unterstützen.

Am darauffolgenden Tag dann der Hammer: „Wir sind Europameister“ so Jeffrey am Telefon. Matthias musste die Siegerehrung vorzeitig verlassen um seine Schulklassen im Radfahren zu unterrichten. Damit hatte ja auch keiner gerechnet. Der erste offizielle Titel und das nach so viel Pech am Ende der Vorbereitung. Das ist was ganz großes. Jetzt hat sich ein Kreis geschlossen. Alles was man im Vorfeld auf sich genommen hat, hat sich mit einem mal voll und ganz ausgezahlt.

Im Vorfeld zum Challenge hat Matthias Karsten Wranik kennen gelernt, dessen Tochter an Leukämie erkrankt ist und der über die Elterninitiative Krebskranker Kinder Nürnberg e.V. (EKKN) von CharityCycling erfahren hat. Die Sache durchwegs lobte und selbst durch diese Aktion als ehemaliger Challenge Finisher zu einer ähnlichen Aktion animiert worden ist. Auch Karsten Wranik startet im kommenden Jahr für einen guten Zweck beim Challenge. Seine Geschichte ist auf einem guten Weg und er möchte denen helfen, die seine Familie und vor allem seiner Tochter in den schweren Wochen beigestanden sind.

All dies und auch die große Unterstützung der vielen Altdorfer Firmen ist ein Garant dafür, das CharityCycling über Matthias Reitenspieß auch die nächsten 5 Jahre fleißig in die Pedale treten wird. Die Firmen Max Bauer Kunstmühle und Udo Schnell Consulting haben Ihre Zusage schon für die nächsten 5 Jahre gegeben und weitere werden folgen, davon ist Matthias überzeugt. So wird die Aktion, die regionaler ist als viele denken, fest an den Challenge, die EKKN und die Altdorfer Premium Spender von CharityCycling gebunden.

Das keiner müde war sich zu engagieren zeigte das Team um Jeffrey, Michael und Matthias beim Erlanger Kurztriathlon in eindrucksvoller Form.  Jeffreys Premium Partner Q10 stellte 500 Euro Spende für das Finish in den Raum. Hier wurde auch endlich zum Abschluss der Aktion der 40er Schnitt auf dem Tandem geknackt. 40 Km  in einer Stunde „da kommt man manchmal mit dem Steuern schon in Schwierigkeiten“ so Reitenspieß. Die Saison hat riesig Spaß gemacht und alle waren sich einig, dass dies zwar ein schöner Abschluss aber mit Sicherheit nicht das Ende einer guten und erfolgreichen Zusammenarbeit war.